Sammlungen als Forschungsdaten: Digitalisierung, Zugänge und Nutzung
30.09 & 01.10.2026
Keynote
Geteilte Daten allein reichen nicht.
Collections as Data als gemeinsame Aufgabe von Sammlungsinstitutionen und den Digital Humanities
30.09.2026, 10.30–11.15 (Keynote), 11.15–12.00 (Diskussion)
Präsenz, UB 0/03
Abstract
Millionen von Objekten aus Museen, Archiven, Bibliotheken und Universitätssammlungen sind heute digital verfügbar. Dennoch werden sammlungsbezogene Daten in den Digital Humanities bislang nur selten systematisch für datengetriebene Forschung genutzt. Woran liegt das? Reicht es aus, Sammlungen zu digitalisieren und online bereitzustellen, oder braucht es einen Perspektivwechsel auf Sammlungsdaten?
Das Konzept Collections as Data versteht digitale Sammlungen nicht nur als Informations- und Vermittlungsangebote, sondern als Forschungsressourcen, die maschinell analysierbar, verknüpfbar und nachnutzbar sind. Entscheidend dafür sind nicht allein digitalisierte Objekte, sondern die Qualität ihrer Daten: Standards, semantische Modellierung, Normdaten, offene Zugänge und FAIR-Prinzipien bilden die Grundlage dafür, dass Sammlungsdaten mit Methoden der Digital Humanities, wie Netzwerkanalysen, Wissensgraphen bis hin zu KI-gestützten Verfahren, ihr wissenschaftliches Potenzial entfalten können.
Datenqualität bemisst sich dabei nicht allein an Vollständigkeit oder Standardkonformität, sondern auch daran, ob Daten fit for purpose sind – für heutige ebenso wie für zukünftige Forschungsfragen und digitale Methoden. Welche Anforderungen computationelle Methoden künftig an Sammlungsdaten stellen werden, lässt sich jedoch nur im kontinuierlichen Dialog zwischen Sammlungsinstitutionen und den Digital Humanities entwickeln. Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, Sammlungen zu digitalisieren, sondern sie für Forschungsfragen nutzbar zu machen, die wir heute zum Teil noch gar nicht kennen.
Zwischen Digitalisierung und Nutzung liegt daher eine oft unterschätzte Aufgabe: die gemeinsame Gestaltung von Sammlungsdaten als Forschungsdaten. Erst im Zusammenspiel von Sammlungsinstitutionen, Forschungsinfrastrukturen und den Digital Humanities entstehen Sammlungsdaten, die nicht nur dokumentieren, sondern neue Forschungsfragen, Perspektiven und Nutzungsszenarien ermöglichen und Sammlungen zu nachhaltigen Datenressourcen einer datengetriebenen Kultur- und Geisteswissenschaft machen.
Anna Gnyp

© Nicole Werner, Deutsches Schifffahrtsmuseum
Anna Gnyp studierte Archäologie, absolvierte ein Museumvolontariat und arbeitet seit vielen Jahren in der digitalen Bewahrung und Zugänglichmachung von Kulturerbe. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Publikation und Vernetzung von Sammlungsdaten sowie auf dem Einsatz digitaler Methoden, um Kulturerbe sichtbar, auffindbar und neu interpretierbar zu machen. Zudem bringt sie umfangreiche Erfahrung in der Vermittlung von Datenkompetenzen für die digitale Arbeit in Sammlungen und Forschung mit Sammlungsdaten mit.